Der Hype um die Cloud


Über Sinn und Unsinn der Cloud

Die Cloud ist momentan wieder in aller Munde. Es ginge nun darum "Geschäftsmodelle zu transformieren und IT-Kosten zu optimieren". Vorangetrieben wird diese Welle vor allen von jenen, die von der Cloud durch Produkte und Dienstleistungen profitieren. Leider bleiben zwei wesentliche Fragen bei dieser Diskussion oft unbeantwortet:

  • Was ist überhaupt "die Cloud"?
  • Wie kann die Cloud dem Unternehmen  nutzen - und wo eben auch nicht?

Diese beiden Punkte werden wir in diesem Beitrag versuchen zu beantworten.

Elemente der Cloud
Elemente der Cloud

Was die Cloud ist

Jede IT-Infrastruktur beinhaltet von unten nach obenen die folgenden Ebenen:

  • Netzwerk, über das die verschiedenen Komponenten kommunizieren, d.h. Leitungen, Switches, Router und Netzwerkkarten.
  • Speicher, auf dem Daten abgelegt und verfügbar gemacht werden.
  • Server, die Rechenleistung zur Verfügung stellen.
  • Eine Virtualisierungsumgebung, mittels derer eine Rechnerumgebung flexibel und effizient zur Verfügung gestellt werden kann. Konkret impliziert dies eine virtuelle Maschine und den darüberliegenden Hypervisor.
  • Ein Betriebssystem wie Windows oder Linux.
  • Die eigentliche Applikation mit welcher der Anwender interagiert.

Die Neuerung der Cloud besteht darin, dass das Unternehmen diese Ebenen nicht mehr selbst physisch vorhält sondern sie bedarfsabhängig über entfernte, logisch abstrahierte Ressourcen - "die Cloud" - realisiert. Je nach Grad der Abstraktion wird dabei unterschieden in:

  • Infrastructure as a Service (IaaS): Die Ebenen bis einschliesslich der Server werden durch die Cloud abgedeckt. Das bekannteste Beispiel dieses Typs sind die Amazon Web Services mittels derer Amazon Rechen- und Speicherkapazität zur Verfügung stellt.
  • Platform as a Service (PaaS): Zusätzlich ist nun auch das Betriebssystem in der Cloud. Microsoft Azure ist beispielsweise eine Platform as a Service Lösung.
  • Software as a Service (SaaS): In diesem Fall ist sogar die Applikation selbst in der Cloud, d.h. die komplette Infrastruktur wird als bedarfsorientierte Dienstleistung bezogen. Ein Beispiel hierfür ist das CRM-Tool Salesforce.com.

Je nachdem ob der Nutzerkreis lediglich unternehmensintern ist oder sich auch an andere Gruppen richtet kann ferner zwischen einer "private" und einer "public" Cloud unterschieden werden.

Wie die Cloud Nutzen generieren kann

Server-Infrastruktur
Server-Infrastruktur

Aus unserer Sicht gibt es zwei Beweggründe, Cloud-Technologie  einzusetzen:

  1. Die heutige, interne Unternehmens-IT soll günstiger, skalierbarer und verfügbarer gemacht werden.
  2. Cloud-Technologie in das "Produkt" des Unternehmens integrieren, um das Unternehmen am Markt erfolgreicher zu machen.

Wenn Sie sich in Ihrem Unternehmen mit dem Einsatz von Cloud-Technologie beschäftigen, sollten Sie zunächst eruieren welcher der beiden Beweggründe Sie antreibt. Ist es ersterer, so können Sie das Vorhaben als klassisches IT-Projekt mit etwas internem Anwender-Feedback realisieren. Treibt Sie hingegen der zweite Beweggrund an, so stehen Sie vor einem strategischen Projekt unter Beteiligung von IT, Produktmanagement und Geschäftsleitung.

Einsatz in der internen IT

Haben Sie sich einmal entschieden, die Cloud für die Flexibilisierung Ihrer internen IT einzusetzen, so macht es Sinn,  vor allem Anwendungen mit folgenden Eigenschaften für die Cloud-Migration zu priorisieren:

  • Etablierte, breit eingesetzte Standard-Applikationen wie e-Mail-/Web-Hosting oder Datenspeicherung: Mittels dieser Eigenschaft stellen Sie sicher, auf ein breites, kostengünstiges Angebot verschiedener Lieferanten zugreifen zu können.
  • Geringe Geschäftskritikalität: Aufgrund des mit der Cloud einhergehenden Kontrollverlusts sollten nur austauschbare, operative Anwendungen migriert werden. Hierzu zählen meist Office-Anwendungen und fast nie CRM-, ERP- oder PLM-Applikationen.

Einsatz im Produkt

Wird die Cloud für das "Produkt", d.h. die Wertschöpfung des Unternehmens am Markt eingesetzt, so sollte eine Bewertung anhand der klassischen Methoden des Produktmanagements durchgeführt werden. Diese umfassen zunächst eine Bedarfsanalyse der Kunden und Beeinflüsser. Mittels dieser wird bestimmt welcher Wert durch die Verfügbarkeit und Skalierbarkeit der Cloud erzielt werden kann. Schliesslich wird der vermutete Cloud-Mitbewerb bestimmt. Die relative Stärke eines Mitbewerbers resultiert dabei aus:

  • Reife und Vollständigkeit der Cloud-Anwendung
  • Grösse des bereits oder potentiell integrierbaren Kundenstamms

Grundsätzlich ist es ratsam, bei Einsatz der Cloud für das eigene Produkt ein Software as a Service Modell unter vollständiger Beherrschung des Source Codes anzustreben. Ist der resultierende Marktnutzen aus der Cloud-Anwendung klein, kann es sinnvoll sein, dabei auf vorhandene IaaS- oder PaaS-Module wiederzuverwenden. Falls bereits starke Cloud-Mitbewerber vorhanden sind (und damit der Markteintritt zu spät erfolgt), ist es leider nur noch möglich, sich einer bestehenden Cloud-Plattform anzuschliessen statt eine neue aufzubauen.


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